Die Festivals in der Bretagne - Eine Hausarbeit von Annett Schreyer

 

 

1. Einleitung

Die Bretagne stellt ein beliebtes Reiseziel dar, angezogen durch den besonderen Reiz, der von dieser Region ausgeht, kommen Menschen aus aller Welt hierher, um sich in die heimische Menge zu mischen und die Freuden dieser traditionellen Kultur zu erleben. Es ist durchaus bekannt, dass in der Bretagne gerne gefeiert wird und selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung bemerkt in einem Reiseartikel „Mit rund viertausend Konzerten und dreihundert Festivals im Jahr ist die Bretagne eine Hochburg der Musik“.0

Was ist die Besonderheit dieser Festlichkeiten und wie lässt sich diese historisch erklären? Die vorliegende Arbeit soll sich mit dieser Fragestellung im Ansatz beschäftigen. Begriffe wie Identität, Tradition und Kultur werden dabei eine Rolle spielen, ebenso der Stellenwert der Medien und die Selbstdarstellung der Bretagne in letzteren. Anhand ausgewählter Festivals soll die Intention der Bretonen gezeigt werden, ihre Kultur in Geschichte und Gegenwart zu behaupten. Es zeigt sich, dass dieses Ziel intensiv verfolgt wird, denn „Kein Sommerwochenende in der Bretagne, an dem nicht in irgendeinem Weiler ein Fest-noz stattfinden würde“1, wie es im weiteren Verlauf des Zeitungsartikels heißt.
Im ersten Teil erfolgt eine kurze Beschreibung des Wandels der bretonischen Gesellschaft im vergangenen Jahrhundert hinsichtlich ihres Selbstbildes und, damit verbunden, ihrer kulturellen Renaissance. Danach soll ein Überblick über die Weiterentwicklung der bretonischen Feste von den traditionellen Pardons bis hin zu den modernen Festivals erfolgen und damit einhergehend eine Verbindung zu der zurück gewonnenen Identität hergestellt werden.
Anschließend folgen kurze Beschreibungen ausgewählter Festivals, wobei der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Rennes liegt, welche durch ihr vielfältiges Kulturangebot eine herausragende Stellung einnimmt. Im weiteren Verlauf wird das Interesse der Medien an den Festen der Bretagne aufgezeigt und wie sie diese präsentieren. Hierbei liegt der Akzent auf dem Medium Internet, indem Webseiten untersucht werden, welche sich speziell mit der bretonischen Kultur beschäftigen.

 

2. Die Wiederfindung einer bretonischen Kultur

Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts steht im Zeichen einer „dépaysannisation“2der bretonischen Gesellschaft, was sich in Modernisierungsmaßnahmen in der Wirtschaft und einer verstärkten Einwanderung zeigt. Dies bedeutet für die Bretagne, als eine „civilisation paroissiale“3, den Einsturz der ländlichen Kultur. Ihre Wahrzeichen, sowie ihre traditionelle Tracht, der Tanz oder die traditionelle Jagd verlieren an Bedeutung. Die soziale Organisation, welche an eine tief verwurzelte Religion und deren Ausübung gebunden ist, fällt in sich zusammen. Im Gegenzug erhöht sich der Reiz der Städte und die Anziehungskraft der neuen Kommunikationsmittel steigt. Für die traditionsbewusste Bevölkerung wird es somit schwierig, sich ihrer eigenen Identität zu behaupten. Das Projekt einer autonomen Bretagne wirkt wie ein Paradoxon in der Zeit, in der der französische Staat versucht, eine nationale Einheit zu schaffen, „[...] en 'fabriquant' la nation.“.4 Es herrscht ein „choc des civilisations“, wie Elegoët die Gegenüberstellung der französischen Moderne gegen die Belange der bretonischen Generation der Großeltern, im Kampf um ihre traditionellen Werte, nennt. 5 Es ist eine Zeit, in der die bretonische Kultur sich im Kampf gegen die französische kulturelle Homogenität befindet und bretonische Feste zu geheimen Angelegenheiten werden.
Erst in den fünfziger Jahren kann sich die „personnalité bretonne“6 wieder von einer positiven Seite behaupten, was sich im wirtschaftlichen Sektor, sowie durch eine Zusammenarbeit mit der „Célib“7, zeigt, mit der ein Stück industrieller Dezentralisierung erreicht wird. Es wird damit begonnen, die eigene Identität zurückzuerobern, mit dem Ziel das Selbstvertrauen in sich und in die Region wiederherzustellen. Das „fest-noz“ erwacht neu und mit ihm das musikalische Leben, welches sich in einer Hochzeit der Festivals widerspiegelt. Das gemeinschaftliche Vertrauen sieht sich wiederhergestellt, so dass weder der Staat, noch die Staatsobrigkeit sich diesem entgegenstellen könnte. Die bretonische Kultur wird neu entdeckt und Cassard spricht sogar von einem „bouillonnement culturel“8. Die Entschlossenheit der Bretonen zur Realisierung ihres destin zeigt Präsenz, so Cassard.


3. Von den traditionellen Pardons bis zu den modernen Festivals

3.1 Die traditionellen Pardons

Aus der tiefen Gläubigkeit und dem damit verbundenem Gemeinschaftsgefühl heraus entstanden in der Bretagne bereits im Ausklang des Mittelalter Festlichkeiten, bei denen sich die Glaubensgemeinschaft zusammenfand, um ihrer Religion und der damit verbundenen Kultur Ausdruck zu verleihen. Diese fanden an heiligen Orten, wie in Sainte-Anne d'Auray oder in Sainte Anne la Palud statt, zu denen Zehntausende von Menschen pilgerten. Gegenstand der „paroisse“, welche später in „pardons“ umbenannt wurden, ist es, eine gemeinschaftliche Atmosphäre zu schaffen, vor allem feiert man „[...] une identité collective en affirmant la cohésion du groupe: par les rites religieux, la charité faite aux pauvres, l'oubli temporaire des divisions; [...]“9
Die Pardons sind einfache Feste, welche mit religiösen Zeremonien verbunden sind, wie Kirchweihfeste oder Feste zu Ehren von Schutzheiligen. Begonnen werden die Pardons immer mit Messen, auf welche dann Prozessionen folgen. Man legt eine gemeinschaftliche Freude an den Tag, indem getanzt und gesungen wird und Wettbewerbe ausgetragen werden, die „jeux de pardon“. Diese Spiele wurden über die Jahrhunderte ausgebaut und weiterentwickelt und werden zu alljährlichen Festen und bei den pardons durchgeführt.
Die Pardons bieten Gelegenheit, in einer familiären und herzlichen Umgebung traditionelle Lieder zu erlernen und zu singen. Auf diese Weise konnten diese Lieder bewahrt werden, indem sie im Gedächtnis der Bretonen blieben und heute auch in gedruckter Form vorliegen. Noch in der gegenwärtigen Zeit wird ihnen durch die Sänger der „fest-noz“ Ausdruck verliehen und fordern sowohl die Jugend, als auch die älteren Generationen zum Tanz auf.


3.2 Die fêtes folkloriques estivales und die fest- noz

Die fêtes folkloriques estivales sind in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden, mit dem Ziel, die bretonische Sprache zu schützen. In den Jahren 1950/1960 gründeten sich Zusammenkünfte der Folklormusik, welche sich um die Bildung im Sinne einer „fierté bretonne“10 kümmerten. Es wurden Programme zusammengestellt, die als Grundlage für die Sommerschauspiele dienen, welche als Treffpunkt für eine gesamte Generation bestimmt sind. Auf diese Weise werden tausende junge Menschen mobilisiert, um das Interesse an alten Bräuchen wiederzuentdecken und sich gleichzeitig einer aktuellen regionalen Kultur bewusst zu werden. 1950 wurde das fest-noz in der Haute- Cornouaille erfunden und breitete sich bald in der ganzen Bretagne aus. Die Botschaft der Veranstaltung war eindeutig: „Il ne s'agit plus de présenter à un public des éléments reconstitués d'un folklore révolu, mais de prendre possession d'une culture rajeunie, adaptée aux goûts du jour.“11
Diese Kombination aus Tradition und Moderne zeigt die enorme Kapazität der Erneuerung. Die altbewährte, traditionelle bretonische Musik nähert sich auch anderen Kulturen an, „Les musiciens bretons actuel, tendent volontiers l'oreille vers d'autres traditions musicales pour nourrir et renouveler leur langage: Pays celtiques, Balkans, Afrique noire, Maghreb, Antilles, Indie.“12
Anhand der bretonischen Musik zeigt sich am deutlichsten die Vitalität der Kultur der Bretagne, sie beschreibt die zunehmende Fröhlichkeit im Zusammenhang mit der Verwirklichung des Individuums. Begleitet werden die traditionellen Klänge, welche durch zeitgenössische Musik unterstützt wird, durch den bretonischen Tanz, der heute ein Massenphänomen darstellt und alle Altersgruppen „in Schwingung“ versetzt. Es wird zum eigenen Vergnügen getanzt und gleichzeitig findet eine Identifikation mit den Musikgruppen statt; die bretonische Kultur wird zur alltäglichen Realität.
Diese fêtes folkloriques estivals stellen sich heutzutage einem Publikum, welches sich vor allem aus Touristen zusammensetzt. Diese geben sich mit Begeisterung den traditionellen Festen der Bretonen hin, die ursprünglich eher einen familiären Charakter aufwiesen. So erfreut sich das „fête des filets bleus“ à Concarneau besonderer Beliebtheit, welches ursprünglich dazu geschaffen wurde, um den Familien von im Meer verschollenen Fischern zu helfen.13


3.3 Die modernen Festivals

Die großen Festivals der Bretagne leiten sich von diesen Fêtes folkloriques d'été ab. Jede wichtige Stadt weiß sich heute mit einer eigenen Festveranstaltung auszustatten, um sich besser von den anderen abzugrenzen und sich somit hervorheben zu können. Die Tendenz geht dahin, sich auf eine bestimmte Thematik zu spezialisieren, genannt sei das „Festival de la danse de la Saint-Loup“ in Guingamp, oder man hebt einen theatralisch wirkenden städtischen Platz hervor, wie es die früheren Befestigungsstädte Dinan, Vitré und Vannes mit ihrem „Festival des Remparts“ zeigen. Aber nicht der Kommerz, der eine wichtige Rolle bekommen hat, bestimmt die Festlichkeiten, sondern der soziale Aspekt, welcher bereits in der Geschichte und der lokalen Kultur der Bretagne einen festen Part innehatte und sich noch heute an der Teilnahme vieler Freiwilliger an den Festen beweisen lässt, was den Zusammenhalt der Gemeinschaft verstärkt.
Sie erfreuen sich einer weitläufigen Berühmtheit bei der Bevölkerung und auch der Medien und nehmen Teil an einem dauerhaften, kulturellen Projekt; „les jeunes musiciens ou chanteurs éprouvent très vite le besoin de s'assurer une légitimité en se mettant à l'écoute des anciens, de connaître le contexte social et culturel qui soutenait la pratique traditionelle de la musique, du chant ou de la danse.“14
Die Festlichkeiten erfreuen sich so großer Beliebtheit, dass der Zeitraum der Veranstaltung, entgegen der Tradition, zunehmend auch außerhalb der Sommersaison liegt.15


4. Die Festivals als Repräsentanten einer neuen Identität

Es sind die Festivals, welche die zurückgewonnene, neue Identität nach außen tragen. Hier lässt sich die Vereinigung von Tradition und Moderne finden. Man begegnet der Vielfalt der bretonischen Kultur, in Form von Musik, Tanz, Theater oder auch dem Sport, welche vor allem durch junge Künstler präsentiert wird. Als eines der beliebtesten Festivals ist das „Interceltique“ in Lorient zu nennen, welches im Folgenden näher beschrieben wird. Weiterhin sollen einzelne Festivitäten in Rennes vorgestellt werden - die Kulturmetropole der Bretagne und Anziehungspunkt für junge Leute.

4.1 Le Festival Interceltique de Lorient

Dieses Festival von Lorient gilt als Pionier in seiner Domäne und hat eine internationale Berühmtheit erlangt. Seitdem es 1971 gegründet wurde, findet es jedes Jahr statt und steht unter dem Zeichen einer erneuerten bretonischen Kultur. Es widmet sich dem Ziel, die Bretagne innerhalb einer keltischen Familie wiederzuentdecken, zu der unter anderem auch Schottland, Irland und Wales gehören. Musiker aus den keltischen Ländern treffen sich, um ihre Musik zu verbreiten und einen Austausch zu pflegen, der für die bretonischen Musiker von Nutzen ist. „Le Festival interceltique est le lieu de rencontre annuel des musiciens de tous les pays celtiques qui ont encore quelque chose à apprendre aux musiciens bretons qui se forment.“16 Dieser Aspekt steht für eine Öffnung der Bretagne nach außen, um sich der kulturellen Einheit der keltischen Welt, sowie den Gefühlen und der Wirtschaft der Bevölkerung entlang des europäischen Atlantiks zu erschließen. So widmet sich das Festival im Jahr 2007 dem keltischen Schottland.17 Mit der Zeit ist das Festival von Lorient zu einer Gelegenheit geworden, sich auch den anderen Kulturen der Welt zu eröffnen, wie es Cassard beschreibt, „Les Etats-Unis, l'Australie, la Nouvelle-Zélande, l'Argentine, voire même le Japon, se retrouvent au sein de la manifestation, tout comme inversement, elle s'exporte vers ces pays, s'appuyant en cela sur un formidable travail d'information et de communication [...]“18
Im Gegenzug unterstützen die zehn Tage des Festivals mit über 500000 Zuschauern den wirtschaftlichen Faktor für das „pays de Lorient“ und die Region in positiver Form.

 

4. Rennes als „capitale du rock“

4.2.1 Les Transmusicales

Im Jahre 1977 beginnt sich die Rockmusik in einigen Städten Frankreichs zu verbreiten und Rennes ist eine von ihnen. Zwei Jahre später, im Juni 1979, findet die erste Ausgabe der Transmusicales statt. An zwei Abenden treten zehn Gruppen auf, die alle aus der bretonischen Hauptstadt stammen. Mit beachtlichen 1800 Zuschauern beginnt eine internationale Karriere dieses Musikfestivals, welches die Präsenz einer neuen Generation unter Beweis stellt; „[...] il s'agit de montrer qu'une nouvelle génération est là et bien là, qu'elle est ouverte à d'autres courants que ceux de la 'variété française', [...]“.19
Heute zeigt sich das Festival einem treuen Publikum und genießt das Interesse der Medien, denn die Presse sieht in ihm die Gelegenheit, neue Musiktendenzen aufzuspüren und diese zu präsentieren. Bei diesen Veranstaltungen begegnet man „une scène rennaise flamboyante, pleine de références culturelles très diverses et dont les groupes affirmaient de fortes identités“20, welche sich in Konzertsälen, Diskotheken und Bars widerspiegelt.
Durch die nationale Presse bekam Rennes die Bezeichnung als „capitale du rock“21. Die musikalische Szene in Rennes bietet sich zu Veranstaltungen in ganz Frankreich an und ist als einer der angesehensten Orte der aktuellen Musik bekannt. „Les 'Trans', devenues assez vite le festival français du rock, puis de ce qu'il est convenu d'appeler les 'musiques actuelles', sont évidemment l'emblème de la modernité et de la jeunesse de Rennes.“22


4.2.2 Les Tombées de la nuit

1980 fand das Festival zum ersten Mal in Rennes statt. Es steht unter dem Kennzeichen, die Reichhaltigkeit der künstlerischen Werke zu präsentieren und dient gleichzeitig dazu, bretonische Künstler zu fördern. Es lädt Familien dazu ein, sich Anfang Juli auf die Straßen zu begeben und sich an den kostenfreien Spektakeln zu erfreuen.23
„Au coeur des Tombées, il y a bien cette confiance dans l’habitant, le spectateur, l’artiste, la cité, en leur capacité commune à tisser ensemble une histoire et des événements. À chacun ensuite de s’approprier une circulation intime de Rennes dans ce parcours d’art vivant. Et l’on se prend à rêver à la parole des pierres, à l’énergie des surfaces habitées, à l’implication de l’imaginaire des sous-sols, à la mémoire de la verdure, aux possibles de l’aventure humaine et de la rencontre…
Rien de paradoxal pour ce festival d’exception.“, so wird das Festival von Goulven Hamel beschrieben.24

 

4.2.3 Yaouank

Der Name des Festivals „Yaouank“ ist bretonisch und trägt die Bedeutung „jeune“, es ist das größte fest-noz der Bretagne und wird von der Vereinigung für bretonische Kultur jährlich in Rennes veranstaltet. Mit 5000 bis 6000 jungen Tänzern hat das Fest zum Ziel, „de permettre aux jeunes de découvrir une culture bretonne actuelle et diverse au travers de la danse, de la musique, du chant en langue bretonne ou en gallo, [...]“25

 

4.2.4 Mettre en scène

Dieses Festival widmet sich den neuesten Theaterkreationen und der Choreographie und zeigt das Vorhandensein einer kulturellen Vitalität. Es richtet sich an junge Künstler, indem es „[...] comme les Transmusicales, fait la part belle aux inconnus prometteurs, à la découverte et à l'innovation [...]“26

 

4.2.5 Rock'n'Solex

Außer den großen, professionellen Festivals gibt es auch noch eine Reihe kleinerer Veranstaltungen, welche jedoch nicht minder interessant sind, so wird das älteste
Studentenfestival Frankreichs „Rock'n Solex“ jährlich von Studenten des Institut National des Sciences Appliquées de Rennes geplant und durchgeführt und kann sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Mit sportlichen Wettkämpfen und zahlreichen Konzerten lädt es besonders die Jugend dazu ein, sich an diesem Spektakel zu beteiligen. 27


5. Die Festivals und die Medien

Die spürbare Präsenz der bretonischen Kultur, insbesondere der Musik, im Alltag der Bevölkerung kann auch in den Medien verfolgt werden. Die Zeitungen und Magazine publizieren regelmäßig Artikel und Berichte zu musikalischen Veranstaltungen und in Rundfunk und Fernsehen werden Sendungen über Festivals ausgestrahlt. Die bretonische Musik lässt sich gut verkaufen und exportieren. Sie verkörpert die aktuelle Identität der Bretagne, „Les agences de communication en tourisme et biens de consommation l'ont bien compris, qui exploitent abondamment l'image positive d'une Bretagne nouvelle, véhiculée par la vitalité d'une musique en accord avec son temps.“28 So gelingt es auch den Veranstaltern des Festivals „Interceltique“, die in engen Kontakt mit Paris stehen, nationale Beachtung zu erreichen. „Il faut trouver un public, il faut faire comprendre aux médias qu'il se passe quelque chose en Bretagne, il est aussi nécessaire que les hommes politiques et les décideurs s'en aperçoivent. Si les Bretons voient l'image de leur région renvoyée de façon positive par la presse national, ils reprendront peut-être confiance en leur culture.“29
Die Festivals entwickeln sich weiter und bleiben ein aktueller wichtiger Bestandteil in der Kultur der Bretonen. So gilt es, diese Botschaft einer wiedergewonnen Identität zu verbreiten. Im Jahr 2000 wird zum ersten Mal „TV Breizh“ ausgesendet, der erste private Regionalsender, der sich darauf spezialisiert hat, diverse bretonische Musikveranstaltungen, bis hin zu den fest-noz, zu übertragen. „Au début la chaîne accorde beaucoup de place à la musique et aux émissions pour la jeunesse. Elle puise dans le répertoire celtique afin de garantir un programme de fiction varié. La chaîne se définit comme identitaire et généraliste, moderne et ouverte.“30


5.1 Die Festivals im Internet

Die Festivals der Bretagne weisen eine sehr hohe Frequenz im Medium Internet auf. So lassen sich zahlreiche Seiten im Netz finden, welche die einzelnen Veranstaltungen gut demonstrieren. Im Folgenden werden ausgewählte Internetseiten vorgestellt, welche sich der Repräsentation der bretonischen Festivals widmen. Dabei werden Aufbau und Inhalt der Seiten eine Rolle spielen.


5.1.1 http://gouelioubreizh.free.fr

Die Seite der „Fédération des Comités de Fêtes Traditionnelles de Bretagne„ beschäftigt sich vor allem mit den traditionellen Festivals und präsentiert diese. Sie bietet unter Carte/ Dates eine Übersichtskarte der Bretagne mit jeweiligen Links auf die Städte, um so mehr über die dort stattfindenden Festlichkeiten zu erfahren. Eine zeitliche Abfolge der Festivals gibt es unter der Rubrik Les membres. Nicht vertreten in der Auflistung sind jedoch die eher kommerziellen, aber sehr großen und beliebten Festivals, wie die „Transmusicals“. Im Gesamten ist die Seite eine gute Referenz, um erste Informationen über die Festivals der Bretagne, die Veranstaltungsorte und die Daten zu erfahren.


5.1.2 http://www.fest-noz.net

Dieses Internetportal bietet eine Übersicht über traditionelle Fest-noz in der Bretagne, es ist jedoch nicht so ausschmückend gestaltet. So findet man beispielsweise keine näheren Fakten über die jeweiligen Feste. Dennoch ist die Seite geeignet für eine schnelle Suche zu Veranstaltungsterminen und -Orten.


5.1.3 http://www.tamm-kreiz.com

Auf dieser Seite findet man eine große Auswahl an Festivals und Festen der Bretagne. Es ist jedoch etwas umständlich, zu der Übersicht zu gelangen. Man muss mit dem alphabetischen Index der Rubrik Les paroles arbeiten, um dort unter „F“ die Aufstellung der bretonischen Festivals bzw. Feste zu erhalten.


5.1.4 Das Festivals Interceltique im Internet

Das Festival präsentiert sich mit einer eigenen offiziellen Internetseite http://www.festival-interceltique.com, wo man umfangreiche Informationen zum Ablauf, dem Hintergrund und die keltische Kultur im Allgemeinen findet. Es werden Länder und Regionen mit keltischem Ursprung informativ unter der Rubrik Celte et celtie vorgestellt, unter Anderem Irland, Schottland, Galizien und natürlich die Bretagne. Unter Le fil en 3 clicks erfolgt eine Übersicht des Festes anhand Zahlen und Fakten, wie Besucherangaben oder jährliche Ausgaben. Weiterhin kann man sich des Interesses der Presse am Festival überzeugen, denn unter dem Link „Presse“ findet man aktuelle Artikel, welche sich mit dem Festival befassen. Sehr interessant ist der Verweis Liens auf diverse andere Festivals in Frankreich, als auch Festivals anderer Länder, welche sich mit der keltischen Kultur auseinander setzen.

 

5.1.5 Die Transmusicales im Internet

Zu findet ist die offizielle Seite der Transmusicales unter http://www.lestrans.com. Sie gibt Informationen zum Programmablauf und man kann sich unter „Visite virtuelle“ anhand eines virtuellen Rundgangs in die Veranstaltungsräume begeben und Fotogalerien anschauen (La galerie photo). Unter der Rubrik Médias aux Trans kann man das enorme Interesse der Medien an diesem Festival nachvollziehen. So ist hier eine Auflistung aller Radio- und Fernsehsender zu finden, welche das Programm der Transmusicals übertragen, dies sind Größen wie „France 4“, „Le Mouv“, „MTV“ und „Canal B“. Ebenso findet man zahlreiche künstlerische Arbeiten im Rahmen des Festivals unter Trans Connexion. Dass sich das Festival sogar bis ins Ausland exportiert hat, präsentiert sich unter Export, wo man sich auf die Seiten der chinesischen und der norwegischen Varianten der Transmusicales verlinken kann.


6. Schlussbetrachtungen

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kann man in Frankreich die Wiedergeburt regionaler Kulturen beobachten, welche einhergeht mit einer Wiederentdeckung der kulturellen Vielfalt, die vom Staat einst unterdrückt wurde. So drückt es auch Denis aus: “[...]des cultures locales oubliées, marginalisées ou réduites au silence, commencent à renaître.“31 So beginnen auch die Bretonen in den Jahren 1960, sich auf ihre eigene Identität zu berufen, eine Identität, die sowohl die traditionellen Faktoren der Wirtschaft, als auch der Kultur, in Betracht zieht.
Mithilfe des Aufblühens der Musik und der folglich großen Resonanz hat es die Bretagne geschafft, sich ihrer Kultur zu behaupten und diese nach außen zu tragen. Eine Erneuerung ihrer kulturellen Identität soll nicht nur die traditionsbewußten Bretonen bewegen, sondern richtet sich auch vor allem an die Jugend, die auf diesem Pfad ein eigenes kulturelles Bewusstsein schafft, angelehnt an die Jahrhunderte alte keltische Tradition ihrer Region. Somit findet eine Vereinigung des Altbewährtem mit der Moderne statt, ein Rezept zum Fortbestand traditioneller Werte. Beobachten lässt sich dieses Zusammenspiel von jung und alt bei den Festlichkeiten, ob bei den traditionell angelehnten Fest-noz oder den großen Festivals. Es besteht ein Miteinander der bretonischen Bevölkerung, welche sich als eine große Gemeinschaft betrachtet, die es geschafft hat, sich gegen ein französisches Ideal einer „Zentralkultur“ zu behaupten und die zurückgewonnene Identität mit Stolz dem übrigen Frankreich und der ganzen Welt präsentieren zu können. Das dies bereits gelungen ist, zeigt sich in dem Echo der Medien, die das besondere Charisma der Bretagne, welches sich in der musikalischen Vielfalt widerspiegelt, mit großem Interesse verfolgt und alle am Geschehen teilhaben lässt, etwa durch Fernseh- und Rundfunkübertragungen der Festivals.
Die Festivals agieren also als eine Art Schnittstelle zwischen den Musikern und dem Publikum und können somit die in der Musik vermittelte Botschaft eines bretonischen Selbstverständnisses verbreiten. Die Bretagne hat gezeigt, dass die Staatsgewalt es nicht geschafft hat, ihre Identität zu unterdrücken und so ist es durchaus angebracht, von der Unsterblichkeit einer Kultur zu sprechen, so wie es Denis mit folgenden Worten ausdrückt: „Lorsque tous les marqueurs actuels de l'identité bretonne auront évolué, auront changé, la Bretagne restera encore Bretagne.“32

 


 

0Sturmhoebel, Elke [2007].

1Sturmhoebel, Elke [2007].

2Elegoët [2004], S. 61.

3Cassard [2004], S. 22.

4Elegoët [2004], S. 64.

5Elegoët [2004], S. 63.

6Cassard [2004], S. 22.

7Komitees zur Förderung der Interessen der Bretagne

8Cassard [2004], S. 22.

9Provost [2004], S. 115.

10Defrance [2004], S. 184.

11Defrance [2004], S. 184.

12Defrance [2004], S. 186.

13Weiterführende Informationen unter http://filetsbleus.free.fr.

14Postic [2004], S. 194.

15So findet beispielsweise das Fest „La Bogue d'Or“ in Redon im Oktober und das Fest „Kan ar Bobl“ in Pontivy im April statt.

16Pichard [2004], S. 199.

18Cassard [2004], S. 149.

19Salaün [2005], S. 23.

20Salaün [2005], S. 22.

21Nach Salaün [2005], S.23.

22Salaün [2005], S.99.

23Mehr Informationen auf der offiziellen Homepage http://www.lestombeesdelanuit.com.

26Salaün [2005], S. 114.

27<http://www.rocknsolex.fr> Rev. 2007-7-1.

28Defrance [2004], S. 176.

29Pichard [2004], S. 200.

30Rouz [2004], S. 294.

31Denis [2004], S. 352.

32Denis [2004], S. 360.

 

 

Quellenverzeichnis

 

Literaturverzeichnis:

 

Elegoët [2004] = Elegoët, Fañch, "L'effondrement des mondes paysans", in: Bescond, Jean/Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreiz 2004, S. 61- 64.

 

Cassard [2004] = Cassard, Jean- Christophe, "Les origines historiques des cultures de Bretagne", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 7- 23.

 

Provost [2004] = Provost, Georges, "La paroisse et l'Église", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georg (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 113- 122.

 

Defrance [2004] = Defrance, Yves, "La musique", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 176- 186.

 

 

Postic [2004] = Postic, Fañch, "Quête ethnologique et revival musical", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 187- 195.

 

Pichard [2004] = Pichard, Jean-Pierre, "La réappropriation de la scène musicale bretonne", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 196- 201.

 

Salaün [2005] = Salaün, Jean, Rennes: La métamorphose d'une ville, Rennes, Ouest-France 2005.

 

 

Rouz [2004] = Rouz, Bernez, "La télévision bretonne et bretonnante", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 290- 297.

 

Denis [2004] = Denis, Michel, "Identité bretonne, identité modèle pour le XXIe siècle?", in: Bescond, Jean/ Cadiou, Georges (u.a.), Toutes les cultures de Bretagne, Morlaix, Skol Vreizh 2004, S. 347- 360.

 

Sturmhoebel, Elke [2007] = Sturmhoebel, Elke, „Der Kuhschwanz auf dem Altar bringt Segen: Und die Gavotte schenkt Glück: Zum Tanzen in der Bretagne“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.05.2007, Seite R9.

 

 

 

 

 

 

Internetverzeichnis:

 

<http://www.festival-interceltique.com> Rev. 2007-6-30.

 

<http://www.anarvorig.com/festivites-bretagne/article-827.php> Rev. 2007-7-1.

 

<http://www.anarvorig.com/festivites-bretagne/article-827.php> Rev. 2007-7-1.

 

<http://www.rocknsolex.fr> Rev. 2007-7-1.

 

<http://gouelioubreizh.free.fr> Rev. 2007-7-1.

 

<http://www.fest-noz.net> Rev. 2007-7-1.

 

<http://www.tamm-kreiz.com> Rev. 2007-7-1.

 

<http://www.festival-interceltique.com> Rev. 2007-7-1.

 

<http://www.lestrans.com> Rev. 2007-7-1.