(…) Der Sieg einer Bürgerbewegung, die sich aus dem Nichts heraus von den austauschbar gewordenen politischen Eliten der Sozialsten wie der Gaullisten abgrenzt und einmal mehr Selbstbestimmung, Verantwortlichkeit und Offenheit auf ihre Fahne schreibt – so wird man Emmanuel Macrons „En marche!“ charakterisieren können -, ist nicht denkbar ohne den Vorlauf an Selbstermächtigung, den der Mai 68 in Frankreich ausgelöst hat. Der Mai 68 war damit weit mehr als eine Revolte, die in der Lethargie einer Wohlstandsgesellschaft und der Routine professioneller Politiker verebbte. Fast eine Revolution? Ja, wenn man den Revolutionsbegriff von seiner Verengung auf politischen Umsturz und Systemwechsel löst.

Liebe Frankreichfreunde,

chère amie et cher ami du portage*) franco-allemand,

mit diesen höchst aktuell klingenden Sätzen endet das Buch des deutschen Zeithistorikers Wilfried Loth über die legendäre Mai-Revolte im Frankreich des Jahres 1968. Das Buch heißt Fast eine Revolution. Der Mai 68 in Frankreich und erschien 2018 im Campus Verlag (Frankfurt/New York), also zum fünfzigsten Jubiläum jenes Jahres, das als globales „Revolte-Jahr“ in die Zeitgeschichte eingegangen ist und ein weltweites Kollektivgedächtnis prägte – bis heute.

Wie Sie den Medien entnehmen konnten, hat die Jury des Literaturpreises „Hommage à la France“ der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry aus einer Vielzahl von Einsendungen dieses Buch von Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Loth für den diesjährigen Literaturpreis ausgewählt. In der Pressemitteilung der Stiftung heißt es:

Mit ihrer Entscheidung würdigt die Jury einen der besten Kenner der französischen Zeitgeschichte in Deutschland. Mit seiner dichten und höchst lesenswerten Darstellung und Analyse der Ereignisse im Mai 68 in Frankreich sowie ihrer politischen und gesellschaftlichen Folgen hat Wilfried Loth die Jury absolut überzeugt. Durch sein Buch „Fast eine Revolution. Der Mai 68 in Frankreich“ bringt der Autor ein wesentliches Element französischer Zeit- und Kulturgeschichte einem deutschsprachigen Publikum näher.

Als Ehrenpräsident des Literaturpreises darf ich auch Sie auf dieses Ereignis aufmerksam machen und Sie, so Sie es einrichten können, zu der feierlichen Verleihung des Literaturpreises am kommenden Freitag, am 22. November, 19:30 Uhr, im Kulturpalast Dresden  einladen. Nach der Übergabe der Preisurkunde findet ein von Prof. Dr. Hans Vorländer geführtes Gespräch mit dem Preisträger statt. Nähere Informationen zum Autor, zum Ort und Ablauf der Veranstaltung sowie zur Stiftung und zum Preis finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen – Cordialement
Ihr

Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom

Ehrenpräsident des Literaturpreises „Hommage à la France“ der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry

https://hommage-a-la-france.de/

Der Literaturpreis „Hommage à la France“ der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry steht unter der Schirmherrschaft des Institut français in Sachsen und wird betreut von der Bürgerstiftung Dresden.


*) Portage ist die Substantivierung des Verbs porter = tragen. Ein portageur ist jemand, der etwas trägt und die Aktion wird mit portage benannt. In der frankokanadischen Literatur wird damit das Tragen des Kanu-Boots (canot), also des wichtigsten Transportmittels der Indianer, Trapper und Siedler  in der alten Nouvelle-France, bezeichnet. Die Quebecer Lyriker und Chansonsänger Gilles Vigneault veröffentlichte 1993 einen Gedichtband mit dem Titel „Portages“, es beginnt mit dem berührenden „Chant du portageur“.

 On n’a, pour nommer l‘espace,

Qu’un pas qui passe

De l’eau à l’eau.

Je ne suis qu’un mot qui danse

Sur ton silence,

Comme un canot.

 Ich verwende diese Begrifflichkeit (im Französischen) gerne, auch um unsere Aktionen im deutsch-französischen bzw. europäischen Kontext zu umschreiben. Wir als „portageurs“ tragen eine kostbare Last, und nur mit dieser kommen wir weiter…         Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom