Liebe Mitglieder der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft,

Chère amie, cher ami,

erst gestern erfuhr ich mit großer Betroffenheit, dass unser langjähriges Mitglied Frau Karin Pobbig im Alter von 78 Jahren am 13. April verstorben ist. Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt.

Die profilierte Dolmetscherin Karin Pobbig gehörte 2004 zu den aktiven Gründungsmitgliedern der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft. Ihren Abschluss als Diplom-Übersetzerin und Diplom-Dolmetscherin für Deutsch-Französisch hatte Frau Pobbig 1966 an der Karl-Marx-Universität Leipzig gemacht und arbeitete seitdem als Dolmetscherin und Übersetzerin. Sie war Mitglied des Verbandes der Konferenzdolmetscher und langjährige Vorsitzende des 1991 gegründeten Landesverbandes Sachsen des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). Sie engagierte sich auch in der Frankophonie Dresden e.V. und für den Verbund europäischer Napoleonstädte (Eurocities).

Wir erinnern uns an Karin Pobbig als eine äußerst kompetente, einfühlsame Dolmetscherin, eine beliebte und kultivierte Gäste- und Museumsführerin, eine engagierte, bildungsansteckende Kulturvermittlerin im Umfeld sächsischer, deutscher, französischer und europäischer Kultur, ein stets interessiertes und anregendes Mitglied unserer Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft in Dresden, eine Grande Dame mit großer Humanität und Bildung, die selbst in einer Phase schwerer Erkrankung bewundernswerte Würde hatte bewahren können.

Ihr deutsch-französisches Herz schlug für Europa und zeigte sich zunehmend besorgt. Schon 2013, auf dem Höhepunkt der „Euro-Schuldenkrise“, zeigte sich die Napoleon-Expertin Karin Pobbig in einem ihrer Email-Briefe an mich „entsetzt“ über die Rückkehr „längst überholt geglaubte(r)  Ressentiments“ auch im deutsch-französischen Verhältnis und schrieb: „Mein Napoleon-Folder fordert zu einer gemeinsamen Betrachtung der Vergangenheit als Voraussetzung für das gemeinsame Gestalten einer gemeinsamen Zukunft ganz im Sinne des Manifestes der Eurocities: „Car, comme le dit l‘adage, il ne peut y avoir de futur pour ceux qui n‘acceptent pas leur histoire. Voilà pourquoi nous avons entrepris de nous  rassembler autour de cette page d‘une grande histoire qui nous a autrefois divisés.”

Diese europäische Stimme wird uns gerade hier in Sachsen fehlen.

Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt ihrer Familie. In der Traueranzeige heißt es über Karin Pobbig: „Vollkommen und unerwartet verlosch ihr helles Licht, das noch lange hätte scheinen sollen. In den Spuren aber, die sie im Leben so vieler hinterließt, wirkt ihr immer strebender Geist fort.“ Diesen Worten schließen wir uns in dankbarer Erinnerung an.

Für den Vorstand der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom, Dresden